Unterschätztes Risiko: Schlafmangel bei Kindern

Abends lange „durchzuhalten“, gilt vielen Kindern und Jugendlichen als Tugend. Schlafmangel kann jedoch vielfältige Folgeprobleme und -erkrankungen auslösen.

Studien zufolge leidet in Deutschland rund jedes fünfte Schulkind unter Schlafstörungen. Die Gründe sind jeweils individuell, doch oft haben sie mit psychischem Stress und/oder überbordendem Medienkonsum zu tun. Die Folgen des resultierenden Schlafmangels beschränken sich keineswegs auf das naturgemäß eingeschränkte geistige und körperliche Leistungsvermögen. Auch die Gesundheit kann massiv betroffen sein.

„Schlafmangel führt auf Dauer zu vielfältigen psychischen wie körperlichen Beschwerden und Erkrankungen. So zeigte eine britische Studie im letzten Jahr, dass die seelischen Beeinträchtigungen schlimmer als infolge von Mobbing sein können“, erläutert der in Berlin-Wittenau praktizierende Kinderarzt Kyros Mani. „Auf körperlicher Ebene kann es zu Bluthochdruck, Diabetes, Übergewicht und einem erhöhten Schlaganfallrisiko kommen. Überdies wird die Immunabwehr auf kurz oder lang geschwächt.“

Schlaf wird in Großbritannien unterrichtet
Aufgrund der alarmierenden Studienergebnisse und der Zunahme des Schlafmangels – bei Kindern und Erwachsenen – haben Gesundheitsexperten zu Gegenmaßnahmen aufgerufen. Die britische Regierung hat reagiert und bietet Schulen einen Aufklärungsservice an, der den Schülern Strategien für guten Schlaf nahebringt und die Risiken des Schlafmangels aufzeigt.

Zu den Befürwortern dieses Angebots gehört die Initiative „Sleep Sanctuary“. Deren Gründerin Rachel Taylor mahnt: „Schlafstörungen sind ein gewaltiges Problem … es handelt sich um eine verdeckte Krise der öffentlichen Gesundheit.“

Eltern, die bei ihrem Nachwuchs ein kritisches Schlafverhalten bzw. auffällige Tagesmüdigkeit beobachten, sollten der Ursache auf den Grund gehen. Wenn gerne bis in den späten Abend elektronische Medien konsumiert werden, könnte darin eine Ursache liegen. Ebenso sollten aber psychische Stressoren identifiziert und angegangen werden. Häufig sind es Ängste, Mobbing oder Leistungsdruck, die den Schlaf von Kindern beeinträchtigen. Gehandelt werden sollte so schnell wie möglich – denn Schlafprobleme verschärfen sich oft beim Übergang vom Kindheits- ins Jugendalter.